Bellevue wurde zur Insel der Menschlichkeit

Welt am Sonntag vom 01. Dezember 2002

Sie duzen, natürlich. Schließlich sind Johannes und Christina Rau seit zehn Jahren verheiratet. Wenn aber Gäste im Schloss Bellevue sind, haben die beiden eine offizielle Sprachregelung gefunden. Die First Lady nennt ihren Ehemann "mein Bundespräsident", er sagt brav "Frau Rau". Ohne schmunzeln schaffen sie das nicht. Das macht die beiden sympathisch und zeichnet auch die Atmosphäre aus, die die Gäste des Bundespräsidentin in dessen Amtssitz immer wieder vorfinden.
Besonders dann, wenn die Gesellschaft für einen guten Zweck feiert und Christina Rau mal wieder die Schirmherrschaft übernommen hat. Bei der Benefiz-Gala zugunsten des israelischen Chaim Sheba Medical Centers, das Patienten unabhängig von Herkunft und Religion aufnimmt, zauberte Vicky Leandros eine Konzertatmosphäre ins Schloss. Auf der im großen Salon aufgebauten Bühne gab sie fünf Chansons zum Besten, darunter den Klassiker "Ich liebe das Leben." Dieses Lied passte zum Inhalt des Abends, an dem sich Freunde Israels und Freunde des Chaim Sheba trafen, um Geld zu sammeln für die Menschlichkeit. Es kamen so 480.000 Euro zusammen. Für Chaim Sheba, das Michel Friedmann als Insel der Menschlichkeit bezeichnete.

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