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Die Welt vom 22.06.00
Lea Rabin kam zum Benefiz-Galadiner für das Medizinzentrum in Israel
Von Inga Griese
Es war weniger die schwüle Hitze, die auf die Stimmung im Schloss Bellevue
drückte. Seit Weizäcker-Zeiten findet einmal im Jahr im Amtssitz
des Bundespräsidenten ein Benefiz-Essen zugunsten des größten
Krankenhauses im Nahen Osten, dem israelischen "Medical Center"
Chaim Sheba statt. Ein gesellschaftliches Ereignis, mit Christina Rau als
Schirmherrin, Wolfgang Joop und Justus Frantz, mit internationalen Gästen
und Lea Rabin, der Frau des ermordeten israelischen Ministerpräsidenten,
im Mittelpunkt. Der Tod von Christiane Herzog lag wie ein Schatten und ein
persönliches Menetekel für Frau Rabin über dem Fest. Die
am Montagmorgen verstorbene ehemalige First Lady war Ehrenvorsitzende des
deutschen Freundeskreises von die Kinder-Rehabilitation des größten
Medizinzentrums im Nahen Osten soll nun nach ihr benannt werden.
Es war mehr als formelle Trauer in den Worten von Lea Rabin, Präsidentin
der Freunde des Krankenhauses. "Letztes Jahr hat sie noch mit uns gefeiert.
Jetzt ist sie überhaupt nicht mehr da." Die Frauen waren befreundet,
Frau Rabin selbst ist an Lungenkrebs erkrankt. Der Tod von Christiane Herzog
traf sie schwer, doch auch ihre Disziplin scheint keine Grenzen zu kennen.
Sie sieht erschreckend schlecht aus, die Ränder um die Augen so dunkel.
Doch ihre Eleganz und Haltung sind unverändert, das Maßkostüm,
die vollen dunklen Haare, der schwere Schmuck an den Händen, die eindringliche
Stimme - beugen kann eine Rabin nichts. Auch das Rauchen hat sie nicht aufgegeben,
führt genießerisch eine dünne Zigarette zum Mund. Sehr viel
weniger als früher allerdings. Manchmal blitzen die Augen doch wie
übermütig auf, werden die angestrengten Züge weich vom Lächeln.
Auch Bundespräsident Johannes Rau erinnerte an die Christiane Herzog.
"Meine Frau und ich saßen kurz nach meiner Wahl bei Herzogs zum
Tee. Wir haben nicht geglaubt, was Frau Herzog über die Fülle
der Aufgaben, die die Frau des Bundespräsidenten zu leisten hat, sagte.
Jetzt haben wir umso größeren Respekt vor dem, was sie leistete
und wie sie andere anstiftete zu großzügiger Arbeit."
Frau Rabin dankte Rau für die Gastfreundschaft: "Dass der Präsident
seine Türen öffnet für die Unterstützung eines israelischen
Krankenhauses, gibt es kein zweites Mal auf der Welt." So wie aus den
einstigen Militärbaracken das größte Medizinzentrum im Nahen
Osten entstanden sei, "so sind unsere Beziehungen aus den Baracken
der Vergangenheit zu einem modernen Campus von Freundschaft und Kooperation
geworden".
Vor der Auktion zugunsten von Chaim Sheba zitierte Rau einen Baptisten,
der vor der Kollekte zu sagen pflegte: "Wenn Sie das Doppelte von dem
geben, was sie wollen, dann ist das die Hälfte von dem, was Gott von
Ihnen erwartet." Die Auktion gestaltete sich dennoch zäh, fast
peinlich. Arthur Brauner und Wolf Wegener demonstrierten Großzügigkeit.
Viele gaben lieber heimlich. 800 000 Mark konnte die Vorsitzende der Berliner
Freunde, Judit Edelstein, bilanzieren, dazu 250 000 Mark aus einer RTL-Aktion.
Mäzene aus Israel und Frankfurt hatten mehrere Millionen Mark überwiesen.

